SIK-ISEA Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft

2014 - 2016

SIK-ISEA Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft

Werkverzeichnis Ferdinand Hodler

Kultur

Ferdinand Hodler ist einer der bekanntesten Schweizer Maler des 19 Jahrhunderts. Seit 1998 erarbeitet das SIK-ISEA das Werkverzeichnis seiner Gemälde, welches ergänzend zur gedruckten Ausgabe auch als Onlineversion (www.ferdinand-hodler.ch) zugänglich ist. 

Daneben führt es kunsttechnologischen Forschungen aus, die für das Verständnis und den Erhalt von Hodlers Werk zentral sind. Erkenntnisse daraus geben technik- und materialbasierte Anhaltspunkte zur Datierung und ermöglichen die Erarbeitung von Grundlagen zur Echtheitsabklärung sowie Verhinderung von Fehlentscheidungen beim Restaurieren seiner Werke. So können mittels Röntgendurchstrahlung beispielsweise die eigenhändigen malerischen Überarbeitungen des Künstlers besser verstanden werden.

Das 1951 gegründete Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft ist ein kunstwissenschaftliches und kunsttechnologisches Kompetenzzentrum. Schwerpunkte seiner Aktivitäten sind Forschung, Dokumentation, Wissensvermittlung und Dienstleistung im Bereich der bildenden Kunst.

Bei der Untersuchung von Hodlers Maltechnik werden unter anderem die Hilfsliniengitter erforscht, von denen ein und dasselbe Werk gleich mehrere aufweisen kann. In dieser Figurenstudie sind gewisse Linien zwar schon ohne technische Hilfsmittel sichtbar, betrachtet man das Bild aber im Durchlicht, kommen zahlreiche weitere Linien zum Vorschein.

Ferdinand Hodler, Blick ins Unendliche, Einzelfigur, 1916, ölhaltige Farbe auf Gewebe, 59 x 36,5 cm  © SIK-ISEA

Durchlichtaufnahme mit Kartierung sämtlicher Hilfslinien. Zuunterst liegt ein erstes Übertragungsgitter (blau kartiert); Hodler ritzte es mit einem spitzen Bleistift in die frische Grundierung ein. Die in dieses erste Gitter übertragene Figur entwickelte er nun im Zuge mehrerer Mal-Etappen weiter; dass er sein Modell dafür hinter einem sogenannten Netzrahmen posieren liess, bezeugen die sehr zahlreichen Netzrahmenlinien (rot kartiert). Zuoberst auf der Malschicht liegt ein weiteres Übertragungsgitter (schwarz kartiert); dieses diente zum Transfer der vollendeten Figur in die drei monumentalen Hauptfassungen von Blick ins Unendliche (heute im Kunstmuseum Basel, Kunsthaus Zürich und Kunstmuseum Solothurn).

© SIK-ISEA